Brachelen
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Feiern mit den Jungschützen : Frühkirmes in Brachelen

 

7.Juni 2019

 

 Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in Brachelen feierte ihre Majestäten bei Kaiserwetter mit einem schönen Umzug. Foto: Ruth Klapproth

 

Brachelen Das Prinzenpaar Florian Friedrichs und Lena Coenen stand bei der Frühkirmes in Brachelen im Mittelpunkt. Diese wurde gemeinsam von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Brachelen, der Karnevalsgesellschaft Brökeler Kappehäuer und des SV 1910 Brachelen veranstaltet. Drucken

 

Die Frühkirmes startete an Christi Himmelfahrt mit der Vatertagsfete im Festzelt und dem traditionellen Klompenball. Am Freitagabend wurden die Ehrenmaien aufgesetzt. Anschließend luden die Jungschützen Brachelen zur Full House Party ein.

 

Samstagabend sorgte die Coverband Booster für Unterhaltung. Der große Festgottesdienst in der Pfarrkirche St. Gereon wurde am Sonntag durch die Blaskapelle Brachelen begleitet. Nach der Gefallenenehrung auf dem Friedhof setzte sich der große Festumzug durch die Ortschaft unter Teilnahme der Brachelener Ortsvereine sowie der Gastvereine, das Trommler- und Pfeiffercorps und der Schützenbruderschaft aus Kofferen, in Bewegung. Am Montagmorgen schließlich endete die Frühkirmes nach der heiligen Messe mit dem traditionellen Frühschoppen in der Gaststätte „Zum Postmeister“.

 

 

Konzept des Heimat- und Naturvereins Brachelen :

 

Alte Mühle soll Begegnungszentrum werden

 

7. Juni 2019

 

Der Heimatverein will die Mühle aus dem Dornröschenschlaf wecken und bekommt für die Planungsphase eines Kulturtreffs Landesmittel. Foto: Ruth Klapproth

 

Brachelen Aus einem NRW-Förderprogramm erhält der Heimatverein Brachelen 40.000 Euro. Damit können Ideen jetzt verwirklicht werden.

 

Von Gabi Laue

 

Die alte Mühle an der Straße Alter Steinweg gegenüber des Ritterguts Haus Blumenthal hat Michael Küsgens gekauft und er hat Visionen für das Gelände. Der zweite Vorsitzende des Heimat- und Naturvereins Brachelen hat für das Förderprogramm „Dritte Orte“ ein Konzept eingereicht, wie aus der ältesten erhaltenen Mühle im Dorf ein Ort der Begegnung, Kultur und Kommunikation werden kann. Die Jury hat das Projekt, eines von 17, als „Initiative von unten“ ausgewählt und den Aktivierungsprozess sowie das hohe Identifikationspotenzial hervorgehoben.

 

„Es geht darum, die Kultur ins Dorf zu holen und das Dorfleben zu beleben“, erklärte Küsgens. „Die Kneipen machen zu, und wir haben keine Bürgerhalle.“ Als die Stadt Hückelhoven ihn über das Förderprogramm informierte, habe er viele Mitstreiter zusammengetrommelt und ein Konzept für die alte Mühle entworfen. Um das nun auch voranzubringen, bracht es weiter möglichst viele Engagierte im Ort, die daran mitwirken.

Zehn Millionen Euro bis 2023 im Topf

 

1. Förderphase In Düsseldorf wurden 17 Projekte für „Dritte Orte“ vorgestellt, die mit bis zu 50.000 Euro für ein Jahr lang gefördert werden. Ziel dieser Unterstützung ist die Entwicklung von neuen und die Weiterentwicklung von bereits bestehenden Dritten Orten. In der ersten Förderphase stellt das Land eine Gesamtsumme von 750.000 Euro zur Förderung neuer Konzepte für Dritte Orte bereit.150 Bewerbungen aus dem ganzen Land gingen ein. Insgesamt stehen für das Förderprogramm bis 2023 zehn Millionen Euro zur Verfügung.

 

Verein Der Heimat- und Kulturverein präsentiert sich auf der Internetseite www.heimatverein-brachelen.de.

 

Mit dem neuen Förderprogramm „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum“ unterstützt die Landesregierung Konzepte für die kulturelle Infrastruktur in ländlichen Regionen. Michael Küsgens erklärte den Hintergrund: „Der Erste Ort ist das Zuhause, der Zweite Ort der Arbeitsplatz und der Dritte Ort ist ein Treff für möglichst alle Generationen mit einem breiten Angebot.“ In der ersten Förderphase, die über ein Jahr reicht, könne man nun Profis an Bord holen, die aus dem Grobkonzept eine Feinplanung erstellen. „In der zweiten Phase gibt es dann bis zu 600.000 Euro Förderung bei 20 Prozent Selbstbeteiligung“, erläuterte Küsgens weiter. „Damit kann man schon eine Menge bewerkstelligen.“

 

CDU-Landtagsabgeordneter Thomas Schnelle freut sich mit den Brachelenern: „Dritte Orte sind ein echter Gewinn für uns im Kreis Heinsberg. Hier können Menschen zusammenkommen und Gemeinschaft leben und das mit ganz unterschiedlichen Ansätzen. Damit schaffen wir hier in Hückelhoven eine neue Idee, Kultur zu erleben und sich zu begegnen. Gleichzeitig stärken wir das kulturelle Angebot bei uns im ländlichen Raum.“

 

Schnelle zeigte sich stolz auf das Engagement der Mitglieder des Heimat- und Naturvereins Brachelen, „dass ihr Projekt die Jury überzeugt hat und wir im Kreis jetzt für diesen Dritten Ort eine Förderung von bis zu 50.000 Euro für ein Jahr bekommen können. Das Projekt des Vereins wird den Ort Brachelen und sicherlich auch die Stadt Hückelhoven in kultureller Hinsicht sehr bereichern“.

 

Ein breites Engagement an Künstlern und Kulturschaffenden sowie die Vereine und Gruppen im Ort werden in Zukunft verschiedenste Ideen zur Kulturförderung in der ältesten noch erhaltenen Mühle in Brachelen eine Heimat finden lassen. „Neben dem eigenen Zuhause und der Arbeit haben wir somit demnächst einen Ort, der ganz neue Möglichkeiten bietet, sich zu treffen, auszutauschen und gemeinsam Kultur zu erleben.“ Ebenso freut sich FDP-Landtagsabgeordneter Stefan Lenzen: „Ich wünsche dem Haus viel Erfolg bei der Entwicklung eines Dritten Ortes.“ Im Rahmen des neuen Förderprogramms zeichneten sich die Dritten Orte dadurch aus, dass sie einen niederschwelligen Zugang sowie eine einladende Atmosphäre haben und verschiedene Nutzungen für die Bürgerinnen und Bürger ermöglichen, so Lenzen weiter.

 

Die alte Mühle hat 1200 Quadratmeter überdachte Fläche. Sie bietet sich auch an als Domizil für den Heimatverein, der noch keinen Sitz hat. Ein Mühlrad am Bach, ein Erzählcafé, Jugendtreff, Heimatmuseum, Kleinkunstbühne – Küsgens hat so einige Ideen. „Es soll etwas sein für die ganze Umgebung. Voraussetzung ist, dass sich das Dorf engagiert.“ Potenzial hat auch das alte Fabrikgebäude, derzeit wildromantisch mit Efeu bewachsen – mit Betonung auf wild. Michael Küsgens will die alte Mühle aus dem Dornröschenschlaf wecken: „Daraus kann man ein Schmuckstück machen.“

 

 

Buntes Fest : Kita St. Gereon feiert 150-jähriges Bestehen

 

23.5.2019

 

 

 

Buntes Fest zum 150. Geburtstag: Die Kindergartenkinder schickten zahlreiche Luftballons auf weite Reise. Foto: Heinz Eschweiler

 

Hückelhoven-Brachelen Von diesem Fest dürfte man Brachelen noch lange schwärmen: Die Kindertagesstätte St. Gereon feierte ihr 150-jähriges Bestehen. Und wie!

 

Das Jubiläumsfest begann in der Pfarrkirche mit einem beeindruckenden Festgottesdienst. Die Kita-Kids brachten reichlich Farbenpracht ins Gotteshaus, denn sie hatten alle jeweils einen bunten Luftballon in der Hand. Nach der Festmesse zogen die Kinder mit den Luftballons von der Kirche zur Kita am Klosterberg. Es war ein Festzug ohnegleichen, hinter den Kindern schien ganz Brachelen mitzumarschieren. Die Freiwillige Feuerwehr war für die Sicherheit beim Festzug verantwortlich, der musikalisch angeführt wurde vom Trommler- und Pfeiferkorps Brachelen.

 

Kita-Leiterin Sandra Deffur begrüßte im Innenhof der Kita die zahlreichen Gäste und dankte unter anderem dem Trägervertreter des KGV Hückelhoven, Kooperationspartner Haus Berg, Vertretern der GdG Hückelhoven, Ortsvereinen, Kirchenvorstand, Pfarrgemeinde, Pfarreirat, Feuerwehr und vielen weiteren Gästen. Auch viele ehemalige Kolleginnen feierten mit, ebenso wie Vertreter befreundeter Kitas sowie der Grundschule.

 

Großen Applaus gab es für Pater Dr. Thomas Klosterkamp, der aus Rom angereist war und die beeindruckende Messe zelebriert hatte. Und es gab natürlich ein Dankeschön schlechthin an die Kinder, die tatkräftig mitgeholfen hatten, um dieses Fest mit vorzubereiten.

 

Eine besondere Erwähnung fand Marie-Luise Lischka: Fast ein Drittel der 150 Jahre war sie Leiterin der Kita.

Beim geschichtlichen Rückblick – der Heimatverein Brachelen hat die Historie des Kindergartens aufgearbeitet – staunten viele Festgäste. Sie erfuhren beispielsweise, dass das Gebäude am Klosterberg einst ein Rittersitz war. 1865 erwarb der damalige Pfarrer Rademacher diesen Rittersitz, stiftete ihn dann Jahre später der katholischen Pfarrgemeinde.

 

Es folgte eine sehr wechselhafte Geschichte: 1869 waren es Nonnen, die Kinder arbeitender Eltern beaufsichtigten und betreuten und somit das Fundament der heutigen Kindertagesstätte schufen. Einige Anwesende konnten sich noch an das Jubiläumsfest zum 100-jährigen Bestehen im Jahre 1969 erinnern, damals war Schwester Emmerich die Leiterin bis 1973, dann übernahm Marie-Luise Lischka die Leitung.

 

Neben historischen Hintergründen gab es natürlich auch ein schönes Unterhaltungsprogramm für Alt und Jung, das keine Langeweile aufkommen ließ.

 

Konzert : Gute Laune bei Blasmusik und Brotzeit

 

 

 

3. April 2019

 

 

 

Die Bläser aus Brachelen spielten in Hilfarth auf und ernteten mit ihrem Konzert viel Beifall. Foto: Norbert Koenigs

 

Hückelhoven-Brachelen/Hilfarth Moderatorin Laura Schumacher führte durch ein ansprechendes Programm der Brachelener Blaskapelle im komplett besetzten Saal Sodekamp-Dohmen. Der 1. Vorsitzende Tobias Deckers freute sich über den guten Besuch des Traditionskonzertes, bei dem es zusätzlich zu guter Blasmusik auch eine Brotzeit gab. Eine abwechslungsreiche Mischung von Musikstilen bot die Blaskapelle aus Brachelen, die mit dem Grenadiermarsch Fridericus-Rex startete, der in den 1860er Jahren von dem Militärmusiker Ferdinand Radeck komponiert worden war. Auch heute noch gehört der Grenadiermarsch zu den bekanntesten deutschen Militärmärschen. 

Weiter ging es im Programm mit den bekannten Melodien aus Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der neuen Welt“. Die Moderatorin erinnerte daran, dass die Weltpremiere im Jahre 1893 von tosendem Applaus begleitet wurde. Die bekannte Ballade „Can´t help falling in love“ erinnerte danach an Elvis Presley. Der Kaiserin-Sissi-Marsch habe in kurzer Zeit die Blasmusik-Welt erobert, so die Moderatorin Laura Schumacher. Es folgte „Total Toto“, ein Medley der Band Toto. Das Arrangement war so recht nach dem Geschmack des Dirigenten Rolf Deckers und insbesondere für Schlagzeuger geeignet. Auch Filmmusik boten die Brachelener Musiker mit dem Stück „I will follow him“ und versprühten gute Laune mit Gospel-Sounds. Mit dem Stück „Soleado“ wurden die Zuhörer in die wohlverdiente Pause geschickt. 

Auch Ehrungen gab es bei der Blaskapelle Brachelen. Seit fünf Jahren sind Julia Mertzbach, Theresa Volmer, Andrea Prestle und Stefan Amels als aktive Musiker dabei. Auf zehnjährige Aktivität blickt Felix Deckers zurück, 15 Jahre ist Carina Hussain dabei und seit 25 Jahren das Ehrenmitglied Hermann-Josef Künkel. 

Zu Beginn des zweiten Programmteils wurde der Luftwaffen-Marsch „Peronne“ von Hans-Felix Husadel, einem bekannten Militärmusiker, dargeboten. Weiter ging es mit dem Stück „Always on my mind“ und der „Heublumen-Polka“ von Kurt Gäble. Der Geburtstags-Marsch von Ferdinand Kühne bereitete ebenso viel Spaß wie die „Amsel-Polka“. 

„Querbeat on stage“ hieß es gegen Ende des Konzertes, das mit einem Dank an den Dirigenten Rolf Deckers und reichlich Applaus seien Abschluss fand.

 

Frauenkarneval in Brachelen: Neue Talente auf der närrischen Bühne

 

12. Februar 2019 um 05:10 Uhr 

 

 

Madeleine Stary aus Brachelen als „Model XXL“ erzählte von ihren Laufstegerfahrungen in Paris mit Lagerfeld, Naomi Campell und Heidi Klum. Foto: Ruth Klapproth

 

Brachelen Im ausverkauften Kaisersaal ging es auf quietschfidele Zeitreise mit den Präsidentinnen der katholischen Frauengemeinschaft Andrea Backes und Rebecca Koziessa

Zauberwürfel, Kassetten und Walkman: die 1980er-Jahre. Als Stulpen und Neonfarben voll im Bekleidungstrend lagen. Und man selbst noch ein Teenager war. In ihren giftgrünen, orange- und pinkfarbenen Netz-Oberteilen zogen die zehn kessen Damen auf der Bühne zahlreiche bewundernde Blicke auf sich. „Es wird verrückt und ganz schön schräg“, kündigte Andrea Backes an. Die Tochter der bekannten Stimmungssängerin der Brökeler Kappehäuer, Hedwig Coenen, hieß ihre Mutter gleich mehrfach auf der bunt geschmückten Kaisersaal-Bühne willkommen. In ihrer unbestrittenen Paraderolle als Fussisch Julchen besang Hedwig Coenen den „Weißen Schwan“. Mit grauem Haardutt und weißer Bluse beschrieb sie als „Oma Lenchen“, wie man sich als Hundertjährige fühlt und welche Alltagsprobleme sie als hochbetagte Seniorin zu bekämpfen hat.

Höhepunkt ist der Tulpensonntagszug

 

Straßenkarneval Der Tulpensonntagszug zieht am 3. März ab 14.11 Uhr durch die Straßen Brachelens. Egal ob alt eingesessen oder neu gegründet, zehn oder 150 Personen, Wagenbau- oder Fußgruppe: Jeder ist bei der KG Brökeler Kappehäuer herzlich willkommen.

 

Als „Model in XXL“ schilderte Madeleine Stary ihre ungewöhnliche Begegnung mit Modezar Karl Lagerfeld, den die aus Brandenburg stammende Büttenrednerin, die es nach Brachelen verschlagen hat, als „Klamotten-Kalle“ umschrieb.

 Im benachbarten Lindern hatte Kappehäuer-Sitzungspräsident Manni Kirberg Trompeten-Talent Robert Spicker entdeckt. Und mit hochprozentigen Argumenten für die Frauensitzung begeistert. „Der Manni hat mir einen ausgegeben, dann noch einen und noch einen“, verriet Spicker schmunzelnd. „Und dann habe ich zugesagt.“ Udo Jürgens‘ Evergreen „Aber bitte mit Sahne“ wurde von dem Musiker, der in seinem Heimatort als „Die silberne Trompete“ von sich reden macht, eindrucksvoll dargeboten.

Viele Besucherinnen schalteten die Taschenlampenfunktion ihrer Smartphones ein, als Spicker auf der Bühne so richtig loslegte. Mit einer stattlichen Abordnung waren die Brökeler Kappehäuer erschienen. Die rot-weiße Traditionsgesellschaft hatte Gardetänzerinnen und Elferräte zu den närrischen Damen entsandt.

 

Brachelen: Florian Friedrichs trägt Prinzensilber

 

 

 

Florian Friedrichs (2. von rechts) erhielt das Prinzensilber. Brudermeister Philipp Schlösser (r.) ehrte Michael Schmitz-Reiners (2. von links), im vergangenen Jahr König der Sebastianus-Schützen, für seine 40-jährige Mitgliedschaft, Leo Nüsser (l.) für 25 Jahre Mitgliedschaft. Foto: Bruderschaft Brachelen

 

Brachelen Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Brachelen hat ihre Majestät für das Jahr 2019 feierlich ins Amt geführt. Unter musikalisch bewegender Begleitung durch die Blaskapelle Brachelen wurde in der Heiligen Messe Florian Friedrichs das Prinzensilber der Bruderschaft übergeben.

 

Beim anschließenden traditionellen Frühschoppen wurden im Kaisersaal langjährige Mitglieder der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft von Brudermeister Philipp Schlösser (rechts) ausgezeichnet. Michael Schmitz-Reiners (2. von links), im vergangenen Jahr König der Sebastianus-Schützen, wurde für seine 40-jährige Mitgliedschaft geehrt, Leo Nüsser (links) für 25-jährige aktive Mitgliedschaft. Das Hochfest der Bruderschaft klang spät am Tag im Schützenheim aus.

 

 

L364n: Bei Diskussion um Ortsumgehung ist der Andrang gewaltig

 

Hückelhoven Das war selbst für langjährige Ratsmitglieder außergewöhnlich: Etliche Hückelhovener wollen wissen, was Stadt und Politik, Gegner und Befürworter zur L364n zu sagen haben. Wir haben die Diskussion zusammengefasst.

Die meisten kannten so was nur vom Hörensagen. Und die wenigen, die es selbst miterlebt hatten, mussten schon tief ins Gedächtnis eintauchen, um sich zu erinnern. „Dass die Zuhörer hier im Sitzungssaal bis raus ins Treppenhaus stehen, das gab‘s zuletzt bei der Diskussion um die Zechenschließung“, sagte der SPD-Fraktionschef Jörg Leseberg. Liegt weit zurück, Ende des vorigen Jahrhunderts war das. Er wertete das, wie die Volksvertreter der anderen Parteien übrigens auch, als einen „Superpluspunkt für unsere Streitkultur“.Die Zeche ist längst Geschichte,  Hückelhoven hat sich seither von der Kohlestadt zu einer Einkaufsstadt gemausert. Was die Zuhörer nun in Scharen in den Ratssaal trieb, war die Frage, ob eine Straße geba ut werden soll oder nicht, eine Straße, die den Autoverkehr um das Zentrum der Stadt herumführen soll. Es geht um den Weiterbau der L364n, konkret um den ersten Bauabschnitt von der Autobahn 46 Hückelhoven-Ost bis zur L117 zwischen Doveren und Hückelhoven. Und zu diesem Bauvorhaben hatte die SPD-Fraktion im Rat den Antrag gestellt, „...der Rat möge beschließen, die Verwaltung zu beauftragen, alle erdenklichen und rechtlichen Maßnahmen zu ergreifen, das Bauvorhaben in seiner jetzigen Form zu stoppen.“ Das war das Ansinnen der Sozialdemokraten, über das die übrigen Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses zu beraten und dann zu befinden hatten.

Doveren und Baal

Stadt könnte eigene Straße zur B57 bauen

 

Im Zuge des Weiterbaus der L364n als Ortsumgehung Hückelhoven schließen auch die Befürworter der Straße nicht aus, dass sich Gewerbeverkehre vom Gewerbegebiet Baal durch die Ortsdurchfahrt Doveren auf die L364n ergeben. Deshalb, das sagte Bürgermeister Bernd Jansen in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses, werde sich die Stadt weiter intensiv darum bemühen, „dass der Bund für Baal eine bessere Anbindung des Gewerbegebietes an die Autobahn in Form der B57n baut“. Seit mehr als einem Jahrzehnt habe es dazu Vorstellungen von Planvarianten gegeben, die aber wegen des starken Eingriffs in die Struktur des Ortes Baal von der Stadt abgelehnt worden seien. Die Stadt sei sogar bereit, als Anbindung des Gewerbegebietes Baal selbst  eine Straße von der L117 Richtung Granterath hin zur  B57 zu bauen, sagte Jansen. Die Kosten dafür bezifferte er auf sieben Millionen Euro. Auch diese Variante als Entlastung der Ortsdurchfahrt Baal ist allerdings bereits unter Jansens Vorgänger Werner Schmitz im Gespräch gewesen. (kalauz)

Angesichts des massigen und ungewohnten Andrangs sah sich Norbert Fister als Vorsitzender des Ausschusses gleich zu Anfang genötigt, die in einem parlamentarischen Gremium übliche Ordnung herzustellen: „Keine Fotos, keine Filme, keine Wortmeldungen“, mahnte er die Zuhörer im Saal wie im Treppenhaus. Er hatte im Folgenden kaum Probleme, die Diskussion lief in geordneten Bahnen.

Hans Joachim Ringk hatte sich als Sprecher der Interessengemeinschaft „Gegner der L364n“ Rederecht eingefordert, was ihm gewährt wurde. Er wollte, so formulierte er es, „sich ohne Schaum vor dem Mund einmischen, unsere Bedenken, aber auch unsere Anregungen formulieren“.

Streitthema L364n: Die Gegner befürchten eine Zerstörung des Waldstücks am Junkerberg, die Befürworter hoffen auf eine Entlastung der Dienstühler- und Gladbacher Straße und des Marktes. Viele Zuhörer wollten nun bei der Ausschusssitzung zu diesem Thema dabei sein.

 

Wofür die Interessengemeinschaft eintritt und warum sie gegen den Weiterbau der L364n ist: „Wir treten für den Erhalt des Naherholungsraumes unserer Stadt, den Junkerberg und das Naherholungsgebiet Ruraue nebst den bestehenden Feldern und Wiesen ein, wollen keine überregionale Schwertransporttrasse zur Erschließung eines ortsfremden Gewerbegebietes und bestreiten jedwede innerstädtische Verkehrsentlastung durch die Herstellung eines lediglich kostenintensiven und belastenden Teilstücks der L364n, das an der L117 abrupt und auf unabsehbare Zeit so als Torso fortbestehend endet“. Aus Ringks Sicht ist die L364n „ein Dosenöffner zur Durchsetzung überregionaler Interessen“ und sie wäre „heute so nicht mehr genehmigungsfähig“. Der Planfeststellungsbeschluss für die L364n wurde 2004 gefasst, Ende 2017 kam die Nachricht, das nun Geld dafür vom Land bereitliegt.

Wilfried Büsdorf konnte die Argumente der Befürworter der L364n vortragen: „1600 Anwohner der Gladbacher Straße müssen seit Jahrzehnten täglich 14.000 Fahrzeuge und 500 Lkw ertragen. Wir wollen das nicht mehr.“ Man sei heilfroh, wenn die L364n als Ortsumgehung Hückelhoven endlich gebaut werden soll.

Dass die Umgehung Hückelhoven nur Sinn ergibt, wenn sie zügig weitergebaut und als Umgehungsstraße von Hilfarth fortgeführt wird, daran ließen weder Jörg Leseberg (SPD), noch Thomas Schnelle und Heinz-Josef Kreutzer (beide CDU) oder Ulrich Horst (Die Grünen) einen Zweifel. Während sich die Grünen („Der Junkerberg ist unersetzlich“) wie die SPD und der fraktionslose Dirk Kraut gegen den Bau der L364n als Umgehung von Hückelhoven aussprachen, sieht die CDU-Mehrheitsfraktion darin eine letzte Chance, für Hückelhoven und im weiteren Verlauf für Hilfarth aber auch für  Brachelen eine Umgehungsstraße zu bekommen.

Kreutzer formulierte es so: „Wenn wir jetzt sagen: Wir wollen die Umgehung nicht, dann werden wir nie wieder eine Umgehungsstraße bekommen. Wir wollen Teil 1 und Teil 2 der L364n so schnell wie möglich, damit das klar ist.“ Und er versprach den Anwohnern: „Wenn sich zeigen sollte, dass weiterer Lärmschutz erforderlich ist, dann wird das gemacht.“

Bürgermeister Bernd Jansen (CDU), der als Verwaltungschef den Antrag der SPD ablehnt und den Bau der L364n fordert, dämpfte die Erwartungen an einen zügigen Weiterbau der Straße als Umgehung von Hilfarth: „Darüber kann ich keine seriöse Auskunft geben. Dieses Problem können wir in Hückelhoven nicht lösen.“ Jansen gab allerdings eine Entwicklung der letzten Tage zu bedenken, die möglicherweise Anlass zu Optimismus birgt: „Durch den gerade ausgehandelten Kohlebeschluss werden in den nächsten Jahren rund 350 Millionen Euro in die Region gepumpt. Da ist auch eine Menge Geld für Infrastrukturmaßnahmen drin.“ Wenn man die Umgehung Hückelhoven jetzt ablehne, werde man kein Geld mehr für weitere Ortsumgehungen bekommen. Ulrich Horst nahm dies zum Anlass, dem Hückelhovener CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Schnelle zu drohen: „Wenn dieses oder nächstes Jahr kein Geld vom Land für den Weiterbau der L364n als Umgehung von Hilfarth fließt, werden wir Ihnen parlamentarisch die Hölle heiß machen!

Die in weiten Teilen sachlich verlaufende Diskussion endete nach gut zwei Stunden mit der von Heinz-Jürgen Wolter (Fraktion Freie Wähler) gleich zu Anfang beantragten geheimen Abstimmung. 13 Ausschussmitglieder lehnten den Antrag der SPD-Fraktion auf Stopp des Weiterbaues der L364n vom Autobahnanschluss Hückelhoven-Ost bis zur L117 zwischen Doveren und Hückelhoven ab, sie stimmten also für den Bau; neun Ausschussmitglieder stimmten für den SPD-Antrag, für den Stopp. Die Umgehung Hückelhoven wird also gebaut.

Sehr zum Leidwesen auch einer 14-jährigen Zuhörerin, die in ihrem emotionalen Beitrag zur Diskussion eingeworfen hatte: „Sie zerstören damit Wald und Feld. Sie zerstören die Zukunft meiner Generation.“


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