Brachelen
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In meiner Familie hat sich in der Vergangenheit niemand mit Pferden beschäftigt, geschweige denn mit der Zucht. Der Name Körfer stammt von Köruer - von Korbmacher ab. Ein Beruf, der im 19. Jahrhundert in Brachelen und Umgebung weit verbreitet war. So ist also zu vermuten, dass meine Vorfahren den Beruf des Korbmachers ausübten, wie meine Onkel aus Brachelen väterlicherseits. Erfahrungen im Umgang mit Pferde hatte bisher niemand in unserer Familie.

 

Wir selbst haben erst seit 1979 Pferde und mit dem Thema Pferdezucht beschäftige ich mich seit ca. 10 Jahren. Auch wenn diese Zeitspanne relativ kurz ist, sei es mir dennoch erlaubt, meine Gedanken zum Thema Pferdezucht niederzuschreiben.

 

Bevor ich aber beginne, möchte ich noch ein paar warnende Worte an Sie richten. Der Pferdemarkt ist augenblicklich gesättigt. Die Aufzucht von Fohlen ist seit 2008 um 40% zurückgegangen. Beim Besamen unserer Stute im April 2012 war ich der zweite Kunde unseres niederländisches Besamungs-Tierarztes, in den Vorjahren hatte er sonst um die 30-40 Fohlen zu diesem Zeitpunkt bereits besamt. Unser Hufschmied sagte im Dez 2014, dass er keine tragende Stute in seinem Kundenkreis hat. Fohlen lassen sich heute aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Situation in Deutschand, der EU und weltweit nur schwer verkaufen. Züchten ist teuer. Es fallen laufende Kosten für die Zuchtstute an. Stutfohlen, auch die Besten, lassen sich noch schlechter an den Mann bringen als Hengstfohlen. Gut, wer selber Jungpferde ausbilden kann. Die Zahl der Fohlen geht stetig zurück.Der Markt wird sich auch nicht so schnell erholen. Bei den Hengstfohlen suchen noch Hengstaufzüchter potentielle Körkandidaten oder Wallache für den späteren Einsatz im Sport. Stuten sind meist etwas zickiger als Wallache, speziell während der Rosseperiode. Für den normalen Turnierreiter ist ein Wallach generell die bessere Wahl. Man sollte gut überlegen, ob man bei all den Risiken selber züchtet. Meist ist bei Bedarf der Kauf eines ausgebildeten 4-5 jährigen Pferdes die bessere Wahl, da ich die bereits den vorhandenen Charakter und die Reiteigenschaften beurteilen kann.

 

Seit Millionen Jahren gibt es Pferde. Deren Verhaltensweisen, die Bedingungen für das Leben in freier Wildbahn haben sich über Jahrtausende gefestigt. Erst vor einigen tausend Jahren begann der Mensch mit der Differentierung. Durch gezielte Zucht haben die Menschen in den letzten Jahrhunderten versucht, das Pferd für ihre Zwecke zu optimieren. Sei es Größe, Stärke, Schnelligkeit, Ausdauer, Schönheit, welche Attribute auch immer im Vordergrund standen. Noch in den 1950 - 1960er Jahren stand hier in Deutschland das schwere Warmblut, das in der Landwirtschaft eingesetzt wurde, im Mittelpunkt. So ist es verständlich, dass auf dieser Grundlage niemand auf kurzfristigem Weg ein für seinen Verwendungszweck ideales Pferd züchten kann. Im 1800 Jahrhundert begann man schon in England, besonderen Wert auf Schnelligkeit für den Renneinsatz zu legen, dass sogenannte Vollblut wurde in Reinzucht gezüchtet. Im Orient züchtete man in Reinzucht den Araber. Beide Rassen spielen für die Veredlung des Warmblutes auf das neue Zuchtziel Reitpferd hin eine entscheidende Rolle. Nicht zu vernachlässigen ist hier der Trakehner, der durch Kreuzung des alten Schweike ausschließlich mit Araber- und Vollblut entstanden ist und heute ebenfalls in Reinzucht gezüchtet wird (Trakehner, XX, AA & OX). Pferdezucht bedeutet  in Generationen zu denken. Der Einsatz eines modernen Hengstes bringt in der 1. Generation nicht gleich den gewünschten Sportler, wenn nicht die Stute schon in der Veredlung weit fortgeschritten ist.

 

Möchte man mit seiner eigenen Stute züchten, ist zunächst die genaue Analyse der Stute sinnvoll. Hier zählt besonders ihre Qualität bzgl Gesundheit, Charakter, Temperament & Leistungswille, Exterieur und Abstammung. Wer möchte ein Reitpferd besitzen, dem bei einem der oben genannten Eigenschaften schwerwiegende Mängel vorliegen? Hier dürfen keine Kompromisse eingegangen werden, Pferde zu halten ist eine relativ teure Angelegenheit und dann möchte man auch maximalen Nutzen davon haben. Man geht davon aus, dass die Stute 60% der Eigenschaften an die Nachkommen weiter gibt.

 

Möchte man mit der eigenen Stute züchten, was ja auch bei uns Hobby-Pferdefreunden emotional begründet ist, steht die Auswahl des richtigen Hengstes im Vordergrund. 

Woran kann ich festmachen, ob meine Stute nun bereits dem modernen Typ entspricht oder weiter Priorität auf Veredlung gesetzt werden muss? Natürlich kann jeder ein schweres Warmblut von einem Vollblut unterscheiden. Wichtig ist aber, wie bei der Größe gemessen am Widerriss, objektive Kennzahlen zu haben. Hierzu dienen der Röhrbeinumfang, Aufteilung Vorderpferd zu Vorderbeinlänge, Einteilung Vorder-Mittel- Hinterhand, Größe, um nur einige zu nennen.

 

Das Zuchtziel des modernen, edlen Sportpferdes ist in den letzten Jahren überwiegend schon erreicht worden. Deshalb muss man sich zunächst die Frage stellen, ist eine weitere Veredlung erforderlich?  Soll es in Richtung Vielseitigkeit gehen, wo großes Galoppiervermögen und Härte erforderlich ist? Möchte ich ein modernes, edles Pferd mit schönen Kopf und schwungvollen Bewegungen haben, was aber vielleicht aufgrund seines Temperamentes nur von erfahrenen Reitern zu beherrschen ist? Möchte ich (mit viel, viel Glück) das super Reitpferd züchten, von dem alle träumen, dass ich für viel Geld über die Auktion verkaufen kann und dass später einmal Grand Prix Pferd werden soll? Ein Körkandidat? Blut ist der Saft, der Wunder schafft, sagt man. Aber wie oft geschieht ein Wunder? Große Zuchtstätten gehen diesen Weg, müssen diesen Weg gehen, um profitabel arbeiten zu können. Aus einer großen Masse von Fohlen ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass das Wunder geschieht. Die übrig gebliebenen Pferde werden zu moderaten Preisen verkauft.

 

Für den Hobby  Züchter ist es deshalb wichtig, genau zu wissen, was mit dem Zuchtprodukt geschehen soll. Ich denke, viele von uns suchen ein reelles, umgängliches Reitpferd, einen verlässlichen Partner für Freizeit und Sport auf lokaler Ebene, natürlich mit einer gewissen Ausstrahlung, Bewegungsqualität und Rittigkeit. Aber Zuchtfortschnitt in kleinen Schritten ist angesagt. Die Veranlagungen der Stute sollen erhalten und gefestigt werden, Schwächen verbessert und Stärken beigehalten werden.

 

Möchte ich ein Dressurpferd züchten, soll das Pferd über viel Boden stehen, auf vier Säulen. Eine breite Brust soll es haben. Einen geschwungenen Hals mit guter Ganaschenfreiheit. Einen langen Widerriss und gute Sattellage. Ein korrektes, stabiles Fundament für Langlebigkeit. Relative lange Fesseln für schwungvolle Bewegung und das wichtigste zuletzt, eine starke Hinterhand, der Motor sitzt hinten, er trägt und schiebt, nimmt die Belastungen auf. Aber vor allem so es einen guten Charakter haben. Interieur geht vor Exterieur.

 

Forscher fanden heraus, dass die weibliche Eizelle etwas mehr Erbmaterial enthält als die männliche Samenzelle. Genaue Prozentwerte gibt es darüber noch nicht. Sicher ist aber, dass Stuten bei der Vererbung ihre Nasen leicht vorn haben. Geschwister bekommen von ihren Eltern im Durchschnitt zur Hälfte die gleichen Erbanlagen. „Statistisch gesehen stimmen Vollgeschwister in ihren Erbanlagen zu ‘’ Prozent überein“, sagt Dr. Monika Reißmann, Tierzuchtexpertin von der Universität Berlin. Es gibt aber auch Extremfälle, in denen Geschwister die gleichen Anlagen erben und wie eineiige Zwillinge sind. Oder aber die Geschwister haben genau den anderen Teil des Erbguts bekommen und ähneln sich nur wenig. „Die Karten werden jedes Mal neu gemischt,“ sagt Reißmann.

Der Grund: Bei einer Anpaarung werden jeweils von Vater und Mutter Gene auf Chromosomen des Fohlens verteilt. Wie, darüber entscheidet allein der Zufall. Das fand Johann Gregor Mendel, Vater der Vererbungslehre, schon um 1860 heraus.

Verwandte Pferde haben oft ähnliche Köpfe:
Doch was bestimmen die Erbanlagen, und worauf haben Mensch und Umwelt Ein†fluss? Die Genetik prägt das Aussehen eines Pferds, zum Beispiel seine Größe, Fellfarbe und eine volle Mähne. Aber nicht alle Merkmale werden gleich stark vererbt. Das erforschte Dr. Ludwig Christmann vom Hannoveraner Zuchtverband in einer Studie mit 5347 Stuten. Am häufigsten geben Pferdeeltern ihren Fohlen die Form des Kopfs mit. Äußere Einflüsse können an ihr wenig ändern. Kein Wunder, dass sich die Mitglieder so mancher Pferdefamilien wie aus dem Gesicht geschnitten sind. Die Entwicklung der Gliedmaßen hingegen kann der Mensch beeinflussen. Für belastbare, gesunde Beine sind regelmäßige Hufpflege vom Fohlenalter an, artgerechte Haltung, ausreichend Bewegung und ausgewogene Fütterung entscheidend.

Züchter sind außerdem gespannt auf die Gangarten des Pferds. Hat das Fohlen den Traum-Galopp des Vaters und den schwungvollen Trab der Mutter? Trab wird bei Pferden am stärksten vererbt, danach folgt Galopp. Schritt liegt am wenigsten in den Genen. Spring- und Dressurtalent vererben Eltern etwa zu 50 Prozent. Dabei schließt ein Talent das andere keineswegs aus. Bestes Beispiel ist der Hengst Salieri, der zweifaches Vermögen weitergab: Die Vollgeschwister Seven Up und Salinero starteten beide bei den olympischen Spielen. Seven Up im Springen, Salinero in der Dressur

 


Die "Vererbungsforschung" noch nicht so weit, dass man prozentuale Anteile angeben kann, wieviel von der Mutter und wie viel vom Vater genetisch vererbt werden.
Längere Zeit war man sich relativ sicher, daß die Mütter eine geringe Rolle bei der Vererbung spielen. Aus diesem Grunde z. B. wird immer, wenn man die Abstammung seines Pferdes erläutert, der Vater und der Vater der Mutter genannt, nicht die Mutter selbst.
Aber leider gibt es keine Beweise, inwieweit was vererbt wird. Man sagt, dass die Gene bis zu 5 Generationen zurück durchschlagen können. Also ist wirklich nichts vorhersehbar, sonst wäre züchten viel leichter.

Normalerweise gibt es den schönen Spruch: Guck Dir ein Pferd mit drei Tagen, drei Monaten und dann erst wieder mit drei Jahren an´- zwischendurch kannst Du nix erkennen.

Die Beurteilung von Fohlen oder Jungpferden gehört mit Sicherheit zu den schwierigsten Dingen, die es gibt. Es gehört schon eine Menge Fachkenntnis dazu, ein Fohlen hinsichtlich Schub, Raumgriff etc. zu beurteilen, aber bei einem Jährling wird es fast unmöglich. Im ersten Jahr ihres Lebens machen Pferde den größten Wachstumsschub und die meisten Einjährigen sehen so grauenvoll verbaut aus, daß man meint, sie könnten nie im Leben ihre Beine mal sortieren und nachher werden bildschöne Dreijährige draus. Wenn man ein so junges Pferd kaufen möchte, sollte man sich den Rat eines erfahrenen Züchter einholen.


 ...und was das mögliche Talent betrifft: Da gibt es den schönen Spruch:


,,Auf einem guten Papier kann man nicht reiten‘‘.
D.h., ein gutes Papier, sprich eine gute Abstammung, kann nur in gewissem Rahmen erkennen lassen, ob ein Pferd aus einer Dressur- oder Springlinie kommt und bestimmten Hengsten sagt man nach, daß sie ein schönes Vorderbein, gesunde Knochen usw. vererben, andere vererben einen super Trab usw...die Liste dieser "Vererbungstheorien" ist endlos. Aber letztendlich ist das viel graue Theorie und wenig greifbares. Und eine Garantie, was aus einem Fohlen wird, hat man nie.
Will man ein Turnierpferd haben, soll man kein Fohlen erwerben. Man ist dann nur unglücklich, wenn das Fohlen nicht das hält, was es verspricht und das Pferd letztendlich auch, wenn man Dinge von ihm fordert, die es z.B. exterieurmäßig nicht leisten kann oder nur begrenzt leisten kann.


Was dann wirklich daraus wird, hängt nicht zuletzt auch von der Qualität der anschließenden Aufzucht und vorsichtig begonnenen altersgemäßen Ausbildung ab, ohne die die beste Erbmasse auf verlorenem Posten stehen wird.

Warum der 'Muttervater' so häufig als 'Werbung' mitgenannt wird bei einer Abstammung? Nun: ihn kennt man, im Gegensatz zur Mutter auch als Fremder oft recht genau in seinen Eigenschaften. Da der Züchter vom Hoffen lebt... dass sich die erkannten erwünschten Eigenschaften in den Nachkommen anreichern werden, während die (erkannten?) unerwünschten nicht weitergegeben werden sollten... was natürlich so nicht möglich ist - liegt es nahe, mit einem berühmten Vorfahren Reklame zu machen.

Vorhersagen, wie sich die neu kombinierten Gene dann auswirken werden, sind schwierig. Kommt es - wie im Rennsport - überwiegend auf ein bestimmtes Merkmal an (Geschwindigkeit z.B hier), ist eine Selektion leichter und kann beim ausgewachsenen Pferd dann auch recht leicht geprüft werden, ob ein bestimmter Nachkomme diese Eigenschaft ausgeprägt zeigt. Hier gibt es dann oft Tipps für bewährte Paarungen: Stuten einer bestimmten Linie bringen besonders oft erfolgreiche Nachkommen von ganz bestimmten Hengsten... So ein Wissen ist dort allerdings auch schon die Ausnahme. Umso weniger kann man bei den vielfältigen Eigenschaften, die ein gutes Reitpferd ausmachen, irgendetwas vorhersagen, außer, dass bei tollen Leistungen beider Elternteile und verwandten Linien auf beiden Seiten die Wahrscheinlichkeit höher liegt, ein zumindest 'nettes Pferd' zu erhalten, als bei völlig willkürlicher Paarung zweier 'Minusvarianten'.
Wichtig ist das Papier vor allem für den Züchter, der mit einem auf bestimmte Leistungen durchgezüchteten Tier berechenbarere Zuchterfolge erzielen wird können, als mit einem Zufallsprodukt mit guter Leistung, dessen Gene dann bei zufälligem Aufspalten kaum mehr wünschenswerte Anteile kombinieren können.

So gibt es immer wieder ein Roulettespiel bei der Auswahl geeigneter Paarungspartner und nur sorgfältige Pedigreestudien sowie ganz genaue, möglichst objektive Beurteilung jedes Zuchtpferdes und auch die aller seiner Nachkommen verhindert, dass das leistungs- und gesundheitsmäßig völlig ein riskantes 'russisches Roulett' draus wird.

 


 

 

 

Sexualzyklus der Stute.docx
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Besamungszeitpunkt & Deckakt.docx
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Geburt und Warnsignale.docx
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Fohlencheck.docx
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Aufgepasst - es geht los.pdf
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2 Nach §19 der Kleingewerberegelung bin ich berechtigt, keine Mehrwertsteuer auszuweisen.