Brachelen
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Aus Laudato Si’: Gebet für unsere Erde

 

 

 

Papst Franziskus

 

18/06/2015

 

Allmächtiger Gott,

 

der du in der Weite des Alls gegenwärtig bist

 

und im kleinsten deiner Geschöpfe,

 

der du alles, was existiert,

 

mit deiner Zärtlichkeit umschließt,

 

gieße uns die Kraft deiner Liebe ein,

 

damit wir das Leben und die Schönheit hüten.

 

 

 

Überflute uns mit Frieden,

 

damit wir als Brüder und Schwestern leben

 

und niemandem schaden.

 

 

 

Vater der Armen,

 

hilf uns,

 

die Verlassenen und Vergessenen dieser Erde,

 

die so wertvoll sind in deinen Augen,

 

zu retten.

 

 

 

Heile unser Leben,

 

damit wir Beschützer der Welt sind

 

und nicht Räuber, damit wir Schönheit säen

 

und nicht Verseuchung und Zerstörung.

 

 

 

Rühre die Herzen derer an,

 

die nur Gewinn suchen

 

auf Kosten der Armen und der Erde.

 

 

 

Lehre uns,

 

den Wert von allen Dingen zu entdecken

 

und voll Bewunderung zu betrachten;

 

zu erkennen, dass wir zutiefst verbunden sind

 

mit allen Geschöpfen

 

auf unserem Weg zu deinem unendlichen Licht.

 

 

 

Danke, dass du alle Tage bei uns bist.

 

Ermutige uns bitte in unserem Kampf

 

für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.

 

 

 von Karl Cappel - Kaisersaal - 8.1.2017

 

 

Liebe Gäste des Brachelener Neujahrsempfanges,

  

lieber Reini, vielen Dank für Deine Einladung!

 

 Traditionelle Fachwerkhäuser, glückliche Hühner, ein beschauliches Leben im Grünen – dieses Klischee bestimmt noch oft die Vorstellungen von einem typisch deutschen Dorf, indem die Alten früher das Dorfleben bestimmten.

  

Über viele Jahrhunderte hatte auch unser Dorf Brachelen, geprägt von einer circa zweieinhalb Kilometer langen durch den Ort verlaufenden Dorfstraße, seine feste Rolle.

 

Die Landwirte produzierten die Lebensmittel, mit denen auch Nachbarorte versorgt wurden.

 

Das Handwerk und das verarbeitende Gewerbe waren immer vertreten und von nicht unerheblicher Bedeutung war insbesondere das Korbmacherhandwerk.

 

Doch die "gute alte Zeit" war beschwerlich:

 

Die Dorfbewohner hatten lange, harte Arbeitstage, gestreikt wurde nicht.

 

Wer im Dorf geboren war, der blieb auch dort – allerdings nicht immer freiwillig.

  

In der Landwirtschaft musste in der Regel der älteste Sohn den elterlichen Betrieb übernehmen.

  

In den landwirtschaftlichen Betrieben Brachelens vollzog sich in den letzten Jahren ein großer Wandel. Die Betriebe wurden größer, viele „kleine“ mussten ganz aufgeben.

 

Heute hat Brachelen noch zehn landwirtschaftlich tätige Betriebe, wovon lediglich noch drei in der Zibbeltechnik, oder besser gesagt: automatisierten Milchviehwirtschaft, verblieben sind.

  

Unser Dorf hatte eine eigene Sprache, es wurde „Brökeler Platt“ gesprochen.

  

Schon im Nachbardorf wurde das „gleich gemeinte“ anders gesprochen.

 

Wer in der Kneipe Hochdeutsch sprach, wurde unbeabsichtigt ausgegrenzt, man verstand ihn ja auch nicht.

  

Man erblickte zuhause das Licht der Welt und eine Hebamme war in der Regel immer vor Ort.

  

Den ersten Worten „Pulla“, „MuhMuh“ und „WauWau“ folgte dann das komplette „Brökeler Vokabular“ im Dialekt mit mir und mich. Nach dem Motto: Verwechslungen gibt es nicht, das kommt bei mich nicht vor.

 Im Umgang mit unserer Sprache kam dann eine Wende in den Endfünfzigern und mit dem Anfang der sechziger Jahre.

 

Denn früher gab es auch schon viele förderungswürdige Kinder, jedoch fehlte es damals sehr oft an den entsprechenden Mitteln, diese zu weiterführenden Schulen zu schicken. Zudem wurden sie zuhause für die laufend anfallenden Haus- und Hofarbeiten benötigt.

  

Mit der Zeit kam immer mehr Wohlstand in den Familien. Mehr Kinder konnten zu weiterführenden Schulen in die Städte gehen. Das Bildungsniveau stieg, die Mundart „Platt“ war bei unseren Kindern nicht mehr in.

 

Wir Eltern legten immer größeren Wert darauf, dass unsere „Sprösslinge“ in der Erziehung ausschließlich Hochdeutsch lernten.

 

Von den jetzt im Ort „unter 30-jährigen“ beherrscht deshalb wohl kaum noch einer unser geliebtes Brökeler Platt.

  

Unser Plattdeutsch droht daher leider in Vergessenheit zu geraten.

  

Wie spricht denn unsere zitierte Jugend heutzutage? Hier einige Beispiele:

 

Cool mähn,

 

Meine Olle,

 

Du Komposti,

 

check‘ mal,

 

Ich schille,

 

Geil eih,

 

Hei Alter,

 

Du alter Schwede,

 

Krasser Harald,

 

Cremig bleiben, wa,

 

Alter, ich hab‘ keinen Bock

 

 Heute ist Sonntag.

 

 Der Sonntag wurde früher geachtet, das hieß auch, morgens früh mit leerem Magen zur Messfeier und dann die Männer ab zum Frühschoppen.

  

Der Sonntag wurde respektiert, ja es bestand jegliches berufliches Arbeitsverbot. Leider legt das heute jeder so aus, wie er es möchte. Ich meine, es muss nicht sein, dass beispielsweise sonntags Rasen gemäht werden muss.

 

Auch gab es sonntags eine Kleiderordnung: Frauen auf der Straße zeigten sich stolz „schick gekleidet“ mit Hut und für Männer galt eine uneingeschränkte Krawatten- und Anzugpflicht.

 

Bei den älteren Leuten steckt das auch heute noch im Kern, bei den jüngeren hat längst die Mode für jeden Tag Einzug gehalten.

  

Die Anrede einer Person war auch eine ganz eigene, die heutige Sie-Form lautete beispielsweise so in der „Ihr-Form“ – auf platt „Err“ - :

  

„Könnt err mich ens saahre“, oder

                                                               „Wie makt err dat?“ oder

 ´                                                             Hat err dat jesenn?“

  

Ansonsten oblag in gewissen Klischees die „Du-Form“ und bei Würdigung des Alters und bei besonderen Statuspersonen die echte „Sie-Form“.

 

Dies ist in etwa auch heute noch so.

  

Die Anrede einer keuschen Frau mit Fräulein war von enormer Wichtigkeit, schließlich wollten einige dieser Personengruppe dies auch nach außen zeigen und legten größten Wert auf die respektvolle Ansprache mit „Fräulein“.

  

Heutzutage gibt es wohl kaum noch Fräuleins und wenn, dann möchten auch die mit Frau angesprochen werden.

  

Im Laufe der Zeit änderte sich auch das Gesicht unseres Dorfes Brachelen.

   

Neubaugebiete zwischen Schwarzer Weg und Linnicher Straße sowie zwischen Schule und Bahnlinie, damals auch als Känguruhviertel bekannt – mit leerem Beutel große Sprünge machen - , kamen hinzu.

  

Jedoch der alte Ortskern, insbesondere die Hauptstraße, lässt heute teilweise zu wünschen übrig und verleiht unserem Dorf in einigen Bereichen ein nicht allzu schönes Aussehen.

  

Ganz toll fand ich die Initiative der Bürgerbewegung „Et Jeteäng“.

 

Die Gestaltung am Ortsausgang Südstraße ist euch Initiatoren vollends gelungen!

  

Die alten Geschäfte sind mit und mit verschwunden. Nacheinander schlossen Bäcker, Metzger, Lebensmittelläden und Gaststätten.

 

Wenigstens kam mit dem Discounter Netto im Jahre 2014 wieder eine Einkaufsmöglichkeit, gerade wichtig für die nicht so mobile Bevölkerung, zurück.

  

Ein Metzger und zwei Gaststätten, ein Pizzabäcker und eine Pommesbude sind noch verblieben. Das neue Eiscafé kann ich Ihnen bestens empfehlen.

  

Bankfilialen sind seit Jahren im Ort etabliert. Auch hier erfolgten Veränderungen, jedoch sieht es hier auf längere Sicht noch ganz gut aus.

 

Die Poststelle wechselte mehrmals ihren Sitz, wobei lediglich die Postbankfunktion auf der Strecke geblieben ist.

  

Was haben wir noch im Ort? Ein Freibad, zwei Kindergärten und ein Alten- und Pflegeheim, auch mit betreutem Wohnen.

  

Glücklicherweise haben wir im Ort noch eine ausreichende Versorgung im Gesundheitswesen.

 

Eine Praxis für Allgemeinmedizin, eine Zahnarztpraxis, eine Apotheke, Biokosmetik- und Fußpflegepraxen, sowie Pflegedienste sind in unserem Dorf angesiedelt.

 

Interessant fand ich früher, dass die Ehefrau eines Arztes von den Einheimischen auch als Frau „Doktor“ bezeichnet wurde.

 

Desweiteren stehen uns für unsere Haustiere noch 2 Tierarztpraxen zur Verfügung.

  

Darüber hinaus haben wir noch eine Massagepraxis, Frisöre, Steuerberater, Rechtsanwälte, Dachdecker, Fahrschulen, ein Geschäft für Weine und Spirituosen, Heizungsbauer, Schreiner, Möbelhaus, Partyservice, Blumen, Korbwarenhandel, ein mobiles Süßwarengeschäft, Evertz Maria, ein Gewerbegebiet mit Unternehmen verschiedener Branchen

 

und zum guten Schluss für kleines Geld:

 

die sogenannte Hilfe aus der Nachbarschaft.

  

Für Brachelen stellt sich mir die Frage: Wie lange werden wir noch eine Grundschule im Ort haben können? Die Schülerzahlen gehen dramatisch zurück. In umliegenden Dörfern wurden aufgrund gleichartiger Probleme schon einige Grundschulen geschlossen.

  

Der öffentliche Nahverkehr hat etwas an Bedeutung verloren, unter anderem dadurch beeinflusst, als das kleinere Nachbardorf Lindern vor Jahren von der Deutschen Bundesbahn auf- und Brachelen abgewertet wurde.

 

Leider waren die Brachelener hieran wohl maßgeblich selbst dran beteiligt, wobei sich kommunalpolitische Entscheidungen im Laufe der Jahre wiederholt nachteilig für unser Dorf ausgewirkt haben.

  

Familien ohne Autos, ältere und kranke Personen, können zusätzlich auf vorhandene Taxiunternehmen zurückgreifen.

  

Seit 2015 erhielt unser Dorf kommunikationstechnisch eine erhebliche Aufwertung durch das neu installierte Glasfasernetz der Deutschen Glasfaser, wobei anzumerken bleibt, dass hierunter der Zustand der Gehwege teilweise erheblich gelitten hat.

  

Die Arbeitsplatzsituation im Ort ist vergleichsweise mit anderen Orten gleicher Größe noch als sehr günstig zu bezeichnen, jedoch finden bedingt durch Schulabschlüsse und Studiengänge und der damit verbundenen Qualifikation immer mehr Absolventen nur noch Arbeitsplätze in den größeren Städten außerhalb unseres Dorfes.

  

Ach ja, wie hießen eigentlich die Leute früher hier bei oss en Brokele?

  

Hier nur ein Auszug aus dem unerschöpflichen Namenregister:

 

Übliche Vornamen waren beispielsweise: Junda, Tres, Dötz, Pitter, Drikes, Lieske, Mütt, Jüng oder Jöng, Os Mie, Jey, Schetta, Billa, Trina, Will (war er etwas kleiner, dann auch gern Willke wie auch dann schließlich Hermännke), Tün, Mättes, Kobbes, Käp, Jöan, Scheng, Kress, Nölles, Büb, Schörsch, Gretsche und andere mehr.

  

Nun, Namen entstanden auch teilweise aus Tätigkeiten jedweder Art, aus An- bzw. Aussehen, Herkunft oder gar aus Wunschvorstellungen.

  

Stellvertretend nenne ich Ihnen hier einige, dies in der Hoffnung, nicht von Ihnen gescholten zu werden:

 

Den Josef gab es u.a. Jüpp oder Jüppke, als decke Jupp, blonde Jupp oder Jupp met de eene Ärm sowie PossJupp. Nicht zu vergessen auch „ossere Schwatte Pee“ und „et Billa van de Bersch“.

  

Dann zu den besonderen Spezies, welche ich wie folgt notiert habe:

  

Parisisch, Dakdekkischmichel, Panschisch, Stinge, Kralle Mam, der Schebbe, Panhas, Kesselstinge, Botterzeije, Üxe, Muhreknepper, Et Pillemänke, Sekomeheintsche, Krakes, Jenhustere, Strüekobes, Marmele, Ippel, der Süße, der Öhjer, der Lenks, der Lehte, Änkes, Piffkes, Dukke, Kapelleköstisch, Biehße, Batze, Grönntisch, Schieres, Knoze-Pitterke, Enköh, Pudding, Gandhi, Mäuke, Fuete Fritz

 und man höre und staune,

 

Brachelen hatte auch einen Kaiser, welcher ja bekannter Weise den Fluten des Rurhochwassers „op Tenhoot“ Tribut zollen musste.

 

Aus einem Theaterspiel ging der „Herr der Berge“ hervor.

  

Auch kamen etwas derbere Namen vor, welche ich aber nur aufgrund Ihres unbedingten Verlangens verlese:

 

Verkisch Tün, Verkisch Jupp oder gar Gasi.

   

In der dörflichen Neuzeit favorisierten sich dann mir bekannte Namen wie

 

Tarzan, Pizzeflick, Mömmes, Schnaab, Ühh, Stupps, Juxxi, Üpp, Lotto und Pöffi.

  

Auch gab es Namen für bestimmte Situationen, die vielleicht nachher schnell vergessen werden konnten.

  

Dies waren zum Beispiel:

  

Schmierlapp, Kniepsack, Jütt, Schenoohs, Dussel oder Dusselskopp, Schnirp, Knallkopp, Kühmsack, Klatschwief, Quasselskopp, Quasselsstrip, Wäschwief, Aap, Knießkopp, Pfennigsfötzer, Luese, Naate, Tolverkoh oder Schwaadlapp,

 

Den Votteföhler habe ich gerade an dieser Stelle gestrichen.

 Wie lebt sich unser geliebtes Dorf?

 

Von sehr großer Bedeutung ist das Brachelener Vereinsleben, welches meiner Meinung nach in unserem Dorf noch recht gut funktioniert.

  

Einige Vereine mussten in den letzten Jahren leider ihre Aktivitäten einstellen, dies nicht selten aufgrund von Nachwuchsproblemen und dadurch bedingter Überalterung.

  

Ein ganz wichtiges Ereignis ist unsere Kirmes.

 

Unter dem unermüdlichen Einsatz einiger Brachelener, ich darf hier stellvertretend für „Alle“ Hans Körfer nennen, wurde unsere Kirmes wieder ein Highlight, sogar weit über unsere Dorfgrenzen hinaus.

  

Sein großer Bruder Peter hat von Körfisch Pee die dorfverbundene Patenschaft Haiti übernommen und erzielt mit dem Engagement seiner Mitstreiter Jahr für Jahr tolle Spendenergebnisse, sodass Brachelen auch über den großen Teich hinaus weltweit bekannt geworden ist.

   

Die Schützen haben mit Damian Derix wieder einen Schützenkönig und mit Daniel Kreutzer einen trinkfesten Schülerprinzen.

 

Euch eine schöne Zeit, wobei ich alle Brachelener Ortsbewohner ermuntere, zu den Festivitäten ihren Beitrag zu leisten.

  

Dem Karnevalsverein wünsche ich viel Glück bei der nächsten Prinzentaufe und eine schöne Session 2017.

  

Ebenso wichtig sind alle anderen aktiven Dorfvereine.

 

Sie haben ihre eigenen Tätigkeitsfelder und ihre jährlichen Veranstaltungen.

 

Anlassbezogen wird hierüber stets aktuell berichtet.

  

Ich erwähne hier nur aus der letztjährigen Kappensitzung: Acht mal vier, den Nagel in die Tür!

 

Noch etwas zur Dorfstatistik:

 

Unser Dorf wird älter. Das Durchschnittsalter der Brachelener beträgt derzeit ca. 46 Jahre und liegt damit sogar über dem Bundesdurchschnitt von ca. 44,3 Jahre.

 

Knapp 250 Dorfbewohner haben bereits das 80. Lebensjahr überschritten.

 

Hier finde ich zwei Ansatzpunkte.

 

Der erste ist der Aufruf an die junge Generation, Brachelen mit kostbarem Nachwuchs zu versorgen.

 

Der zweite Punkt ist, dass unsere älteren Dorfbewohner ihren Erfahrungsschatz und ihr Wissen hinsichtlich unseres Dorfes dem Heimat- und Naturverein Brachelen, welcher im letzten Jahr gegründet worden ist, zur Erforschung, Aufbereitung und Darstellung der Dorfgeschichte, weitergeben mögen.

 

 In der Idee und dem Wirken hat der Heimat- und Naturverein, gerade erst im Oktober mit dem Apfel- und Heimatfest „op der Blommedaal“, in unserer Bevölkerung großes Interesse an „Vergangenes“ geweckt.

  

Und nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle jene, welche „hinter den Kulissen“

 

 - ohne sich ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu stellen -

 

 in Verbindung mit einem Ehrenamt zum Wohle der Brachelener unermüdlich tätig sind, Euch ein Vergelt‘s Gott.

  

Ja, in unserem Dorf hat sich in den verflossenen Jahren vieles verändert.

 

Das früher Selbstverständliche gibt es nicht mehr. Nehmen Sie doch mal ungefragt einen Apfel von Nachbars Wiese, so ist dies heutzutage beispielhaft ein Diebstahl, welcher ungewollt vor Gericht enden kann.

  

Das Miteinander ist nicht mehr so einfach zu leben.

 

Der Respekt gegenüber anderen wurde früher anerzogen, und heute?

 

Heute muss man vorher genau überlegen, wem man etwas sagt.

 

Sieht man beispielsweise, dass jemand illegal Müll entsorgt, und spricht die Person darauf an, werden einem unter Umständen schon Beschimpfungen zuteil oder gar Schläge angedroht.

  

Die Zeit hat unserem Dorf ein neues Gesicht gegeben und nicht alles ist geblieben beziehungsweise hat sich positiv verändert.

  

Ich hoffe sehr, dass der Dorfcharakter, wie man ihn in guter Erinnerung hat, nicht ganz verloren geht.

 

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Der Neujahrsempfang ist zu einer festen Einrichtung des Brachelener Geschehens geworden und ich hoffe, dass dies so bleibt.

 

Mein herzlicher Dank gilt den hier heute anlässlich des diesjährigen Neujahrsempfanges mitwirkenden Vereinen sowie allen, die zum heutigen Gelingen dieses Festes in irgendeiner Weise beitragen oder beigetragen haben,

 

Mädels und Jungs, weiter so!

 

 

 

Folgen Sie der Bitte der Brachelener Ortsvereine zum anschließenden Umtrunk und genießen Sie damit verbunden noch einen schönen Abend.

 

 

 

Reini wird Ihnen sicherlich noch sagen, ob heute alles umsonst oder kostenlos ist.

 

 

 

Nun wünsche ich Ihnen und allen Ihren Angehörigen für das Jahr 2017 viel Gesundheit und dass sich Ihre Wünsche fürs neue Jahr allesamt erfüllen mögen.

 

 

 

Ich bedanke mich für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.

 

Ihr von morgen (Hymne an die Zukunft)

"Ihr von Gestern!
Eure Träume
Schweben immer noch durchs all,
Und wir hören
Eure Stimmen
Noch als fernen Widerhall.
Ihr habt euch von den Sternen
Die uns leiten, weit entfernt.
Doch aus euren Fehlern
Haben wir gelernt."

Ihr von Morgen
Werdet wissen,
Was aus dieser Erde wird.
Uns're Hoffnung ist zerschlissen,
Und wir haben uns verirrt.
Wer wird in tausend Jahren
Uns're Ängste noch versteh'n?
Ihr von Morgen werdet staunend
Rückwärts seh'n.


Aus Gedanken werden Ziele,
Aus dem Samen wird ein Baum,
Und aus einem werden viele,
Freiheit schafft sich ihren Raum.
Wer wird in tausend Jahren
Uns're Fragen noch versteh'n?
Ihr von Morgen werdet staunend
Rückwärts seh'n.

Ihr von Morgen!
Wenn ihr neu erwacht,
Dann vergeßt nicht uns're Träume,
Denn in ihnen suchten wir Tag und Nacht
Euer unsichtbares Land.

Jedes Wasser findet Gräben,
Oft kann Schwäche Stärke sein,
Und im Laufe vieler Leben
Höhlen Tropfen einen Stein.
Wer wird in tausend Jahren
Uns're Zweifel noch versteh'n?
Ihr von Morgen
Werdet neue Wege geh'n!

Ihr von Morgen habt gefunden
Was uns unerreichbar schien.
Schlugen wir der Welt auch Wunden,
Vielleicht habt ihr uns verzieh'n.

Wer wird in tausend Jahren
Uns're Fehler noch versteh'n?
Man wird davon nichts mehr seh'n:
Den Staub von unsern Füßen,
Wird der Wind der Zeit verwehn.
Ihr von Morgen
Werdet neue Wege geh'n!

 

Mein Leben ist ohne mein Verschulden in Unordnung geraten

 

Ich wurde im Nahen Osten geboren, es war Zufall, ich konnte es mir nicht aussuchen. Ich fühlte mich wohl und beschützt im Kreis meiner Familie. Das Wenige was es bei uns gab, reichte mir für ein erfülltes Leben. Ich konnte die Schule besuchen und hoffte, das ich einmal einen Beruf erlernen könnte, vielleicht sogar studieren. Eine Familie gründen, so wie es alle jungen Männer auf dieser Erde wohl planen.

 

Aber es kam alles anders. Der Krieg zerstörte meine Familie, mein Vater starb. Meine Mutter muss die Kinder versorgen, aber von was? Wir sind doch nicht reich. Unser Haus wurde zerstört, wir leben in einem Zeltlager. Es gibt mal mehr oder weniger zu essen, was gerade die Hilfsorganisationen beschaffen können. Ich habe Hunger, den Tod, die Zerstörung meiner Heimat kennengelernt. Um den Lebensunterhalt zu sichern, bewege ich mich auch schon mal abseits der Legalität.

 

Da sitze ich nun als junger Mann unter diesen traurigen Menschen, ohne Zukunft. Hätte ich vor Jahren gedacht, meine Heimat jemals den Rücken zu kehren?  Bestimmt nicht. Ich liebe doch meine Familie, meine Verwandten, meinen Bruder, meine Neffen und Freunde. Wie glücklich waren wir früher, haben gespielt, gelacht, geträumt, gefeiert. Braucht man viel Geld um Glücklich zu sein? Bestimmt nicht.

 

Ich frage mich, wie hat dieses Leid angefangen? Wie konnte dies mit unseren Land passieren? Es gab doch früher ein stabiles System, wenn auch einiges nicht gut geheißen werden konnte. Wer sich dem Regime nicht anpasste, wurde bestraft. Das war nicht gut. Aber jetzt? Jetzt geht es um mein Leben als solches. Wer hat das Regime gestürzt? Welche starken Kräfte haben da mitgeholfen? Welche Rolle spielte in diesem Zusammenhang der Westen? Wer wollte uns sein Verständnis von Recht und Ordnung überstülpen? Lege ich beides auf die Waagschale, was wäre mittelfristig besser für mein Land und meine Familie gewesen? Um mich herum, auch in den Nachbarländern ist das Chaos ausgebrochen.

 

Nun aber sehe ich keine Zukunft mehr für mich in diesem Land. Auf mich wartet höchstens der Tod, durch Unterernährung, Krieg, Gewalt im Lager, Krankheiten. Soll das mein Leben gewesen sein?

 

Ich beginne schweren Herzens zu denken, welche Alternativen gibt es? Im Nachbarstaat komme ich auch nur wieder in ein Lager. Meine Gedanken sagen mir: Wenn schon, denn schon. Dann nach Europa. Ich höre so viel Gutes von Europa. Dort gibt es reichlich Arbeit, die Wirtschaft boomed, kann ich mich hier verwirklichen? Ich glaube ja. Hier gibt es Gesetz und Ordnung, aber auch Freiheit in vielerlei Hinsicht. Hier brauche ich mich nicht zu verstecken. Von den Deutschen habe ich gehört, dass sie sehr hilfsbereit sind. Eine starke Macht in Europa. So soll es sein, mache ich mich auf den Weg. Ich habe nichts zu verlieren. Und wenn ich auf dem Weg sterbe? Was soll's. Ist mein Land um mich herum nicht schon Tod? Natürlich wird es Tränen geben, wenn ich mich von meiner Mutter, Bruder und Schwester verabschiede. Lasse ich sie sträflich zurück?

 

Ich komme wieder, ich hole euch nach. Wir sehen und bestimmt wieder. Wir bauen uns eine bessere Zukunft auf. Es wird auch Widerstände geben. Ich bin nicht blauäugig. Aber welche Wahl habe ich?

Gedanken an einen verregneten Samstag.

 

Gebet der Vereinten Nationen

Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Mensch tragen.

Neujahrsansprache 2011  von Peter Körfer

 

Liebe Brachelener Bürger, liebe Gäste,

 

zum diesjährigen Neujahrsempfang darf ich Sie alle recht herzlich begrüßen.

 

Der Neujahrsempfang soll uns anregen, auf das Geschehene im vergangenen Jahr zurückzublicken und gewonnene Erkenntnisse für das neue Jahr zu beherzigen.

Schon wieder ist ein Jahr vorbei. Ich habe manchmal das Gefühl, dass Tag um Tag vergeht, ohne das viel passiert ist. Tagein tagaus das gleiche Szenario: aufstehen, zur Arbeit fahren, die Kinder erziehen, den Haushalt versorgen. Schaut man aber genauer hin, so merkt man, dass in 2010 doch so einiges in unserem Dorf passiert ist. Und das macht mich stolz.

 

Im Januar bebte in Haiti die Erde. Die Missionsgruppe Brachelen sammelte über € 25.000 für die vom Erdbeben betroffenen Menschen. 53 Waisenkinder konnten dank Ihrer Spende an der Mont Des Oliviers Schule aufgenommen werden.

 

Im Juni feierte die Schützenbruderschaft ihr 550jähriges Bestehen. Ein tolles Fest mit sehr gutem Besuch. Vier Tage lang wurde gefeiert. Vier Tage lang haben die Mitglieder der Bruderschaft, unterstützt vom SV Brachelen und der KG Kappehäuer, durch ihre tatkräftige Mitarbeit zum Gelingen dieses Festes beigetragen.

 

Wir erinnern uns noch gut an das 100 jährige Bestehen des SV Brachelen Anfang Oktober.

Ein Verein, der sich herausragend für die Jugendarbeit in unserem Dorf einsetzt.

 

Im November feierte der Junge Chor sein 25 jähriges Jubiläum mit einem tollen, anspruchsvollen Konzert in der Pfarrkirche. Die Mühen der zurückliegenden Wochen hatten sich gelohnt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

 

Dies sind nur einige besondere Ereignisse im zurückliegenden Jahr. Ich möchte hier keinen detaillierten Jahresrückblick geben, sondern die Frage stellen, was diese Ereignisse gemeinsam haben? Was zeichnet sie aus und macht sie für unser Dorfleben so wertvoll?

 

Sie alle geben uns ein Wir-Gefühl. Wir Brachelener können tolle Feste feiern. Wir Brachelener Bürger setzen und für die Not der Menschen in der Welt ein. Wir würdigen mit unserem Besuch der erwähnten Feste die Leistung der jubilierenden Vereine. Wir helfen einander. Gemeinsam können wir das Dorfleben bereichern, verschönern und einen Ausgleich zum beruflichen Alltag schaffen. Wir sind die Bürger von Brachelen.

 

Was erzeugt ein Wir-Gefühl? Oder wovon lebt dieses Wir-Gefühl? Lassen Sie mich dazu eine kleine Parabel von Bertold Brecht erzählen. Sie heißt: „Der Städtebauer“

Als sie nun die Stadt gebaut hatten, kamen sie zusammen und führten einander ihre Häuser vor und zeigten einander die Werke ihrer Hände. Und der Freundliche ging mit ihnen, von Haus zu Haus, den ganzen Tag über, und lobte sie alle. Aber er selber sprach nicht vom Werk seiner Hände und zeigte keinem ein Haus. Und gegen Abend, auf dem Marktplatz, trafen sie sich alle wieder, und auf einem erhöhten Brettgerüst trat jeder hervor und erstattete Bericht über die Art und Größe und die Baudauer seines Hauses, damit man herausfinden konnte, wer von ihnen das größte Haus gebaut hatte, oder das schönste in wie viel Zeit, Und nach seiner Stelle im Alphabet wurde auch der Freundliche aufgerufen. Er erschien unten vor dem Podium, einen großen Türstock schleppend und erstattete seinen Bericht. Dieser Türstock, war das, was er von seinem Haus gebaut hatte. Es entstand ein Schweigen. Dann stand der Versammlungsleiter auf. „Ich bin erstaunt", sagte er und ein Gelächter wollte sich erheben. Aber der Versammlungsleiter fuhrt fort: „Ich bin erstaunt, dass erst jetzt die Rede darauf kommt. Dieser da war während der ganzen Zeit des Bauens überall, über dem ganzen Grund und half überall mit. Für das Haus dort baute er den Giebel, dort setzte er ein Fenster ein, für das Haus gegenüber zeichnete er den Grundplan. Kein Wunder weiter, dass er hier mit einem Türstock erscheint, der übrigens schön ist, dass er aber selber kein Haus besitzt. In Anbetracht der vielen Zeit, die er für den Bau unserer Häuser aufgewendet hat, ist der Bau dieses schönen Türstocks ein wahres Wunderwerk, und so schlage ich vor, den Preis für gutes Bauen ihm zuzuerteilen."

Wir verstehen nun alle die Antwort auf meine vorhergehende Frage, was man braucht, um ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Elementar für eine funktionierende Dorfgemeinschaft ist, dass sich Personen finden, die sich uneigennützig für die vielfältigen Belange im Vereins- und Dorfleben einsetzen.

Dieser Neujahrsempfang soll uns anregen, über unseren Beitrag im Jahr 2010 zum Wir-Gefühl nachzudenken. Und was lernen wir daraus für das Jahr 2011?

Werden wir uns in diesem Jahr erinnern, dass nicht nur das eigene Haus von Bedeutung ist, sondern das Miteinander auf allen Ebenen unseres Dorfes, der sportlichen, der sozialen, der wirtschaftlichen und der religiösen Ebene? Menschen, wie der Freundliche in der Parabel von Bertold Brecht, bilden das Fundament für eine echte Gemeinschaft.

 

In der heutigen Gesellschaft gibt es immer weniger Menschen wie „der Freundliche“. Wir bemerken, dass heutzutage immer mehr materielle Dinge und Egoismus in den Vordergrund treten. Das ist das eigentliche Problem in unserer Zeit. Die viel zu häufig gestellten Fragen lauten: Wie oft kann ich in Urlaub fahren? Was springt für mich dabei raus? Nimmt mir vielleicht sogar ein Ausländer einen gut bezahlten Arbeitsplatz weg?

Dabei sind die Älteren nicht so sehr um ihre eigene Zukunft besorgt, sie haben Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten, sind lebens- und krisenerprobt. Aber sie haben Sorge um die Zukunft ihrer Kinder und die Wertevorstellungen in unserer Gesellschaft.

Wie können wir Erwachsenen den Kindern und Jugendlichen helfen? Ein aus meiner Sicht wichtiges Element ist, dass wir ihnen die Möglichkeit bieten, in Vereinen und in der Dorfgemeinschaft Entspannung sowie einen Ort der Erholung zu finden. Eine Balance zwischen Beruf und Freizeit. Dass sie immaterielle Güter wie Liebe, Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Kameradschaft nicht vergessen, denn solche Werte machen das Leben erst lebenswert. Ich will damit nicht sagen, dass Einsatz im Beruf unwichtig ist, dass der Aufbau einer soliden Existenz keine hohe Priorität hat und auf Urlaub verzichtet werden soll. Sondern ich meine, dass wir Ältere 2011 als Leitfaden für unsere Kinder an einer ausgewogeneren Balance zwischen Arbeit und dem Gemeinwohl arbeiten sollten, zum Wohle unseres Heimatortes Brachelen. Mein Wunsch für 2011 ist, dass wir den Einsatz in den vielen unterschiedlichen Ortsvereinen verstärken und damit auch unseren Kindern und Enkeln Vorbilder für ihren Lebensweg sind.

Wir Ältere lehnen uns gerne zurück und sagen, wir haben das jetzt lange genug gemacht, jetzt sind mal Andere dran, oder lass das mal die jungen Leute machen. Aber wie sollen sie das Leben in der Gemeinschaft lernen, wenn wir es ihnen nicht vorleben?

Wir Älteren schimpfen schon mal gerne über die Jugendlichen, aber haben wir nicht auch erfahren, dass die Kinder letztendlich vielfach nur die Verhaltensweisen der Eltern kopieren? Sie haben nicht nur die Augenpartie oder die krummen Beine geerbt, sondern auch ihre soziale Kompetenz. Wenn wir das auch zu Zeiten der Pubertät nicht erkennen, so doch mit zunehmendem Alter. Machen wir unser Dorf attraktiv für die Jugendlichen, erwarten wir nicht nur Toleranz von ihnen uns gegenüber, sondern seien wir auch tolerant gegenüber der Jugend. Akzeptieren wir, dass sie neue Wege suchen. Wenn die Jugendlichen unser Dorf verlassen, weil es unattraktiv ist hier zu leben, wer soll uns im Alter pflegen? Wo wohnen dann unsere Enkelkinder, mit denen wir uns gerne im Alter beschäftigen würden?

 

Gehen Sie und ich in 2011 den Extrameter im Vereinsleben, damit wir stolz sein können auf unser funktionierendes Dorf Brachelen. So schön im Grünen gelegen, abseits der Hektik der Großstadt. Damit wir aus Familie und Vereinen Kraft schöpfen können für die tägliche Arbeit. Denken wir dabei auch an den „Freundlichen“ aus der Parabel von Bertold Brecht.

Wir Brachelener – wir Ortsvereine - wir stehen zusammen und arbeiten am Erhalt einer lebenswerten Zukunft. Wir feiern und freuen uns zusammen, lösen aufkommende Probleme gemeinsam, wir helfen einander. Gemeinsamkeit macht uns stark.

 

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Gefallenenehrung - Ansprache  von Peter Körfer

 

Liebe Brachelener Bürger und Bürgerinnen, liebe Gäste,

Ich möchte mich bei allen Anwesenden bedanken, die heute zur Gedenkfeier hier auf den Friedhof gekommen sind. Es hat Tradition, dass die Brachelener Ortsvereine anlässlich der Frühkirmes besonders der Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges gedenken, die hier auf dem Soldatenfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden haben. Das Gedenken an die Gefallenen Soldaten steht im krassen Gegensatz zu den übrigen Kirmesfeierlichkeiten, zum Tanz, dem geselligen Beisammensein. Bei aller Freude anlässlich der Kirmestage wollen wir nicht vergessen, welch  ein großes Leid Krieg bedeutet. Bei den Generationen, die die Weltkriege nicht miterlebt haben, hat hoffentlich ein Lernprozess eingesetzt, wie Kriege in Zukunft weltweit zu vermeiden sind.

Die wenigsten von uns kennen die hier begrabenen Soldaten. Und doch spüren wir in unseren Herzen, es ist etwas Besonderes, hier und heute an ihren Gräbern im Kreis der angetretenen Ortsvereine und der Brachelener Bevölkerung zu stehen. Auch wenn sich dieses Ereignis Jahr für Jahr wiederholt, kommt bei mir keine Routine auf. Zu schrecklich ist die Erinnerung an die  Millionen Opfer der beiden Weltkriege. Die Musikstücke, die Trommlercorps und Blaskapelle heute morgen spielen, lassen uns nachdenklich werden. Sie drücken Trauer aus. Trauer, dass diese hier begrabenen Soldaten für eine im Nachhinein sinnlose Sache ihr Leben gelassen haben. Im 1. Weltkrieg wurden sie gelenkt von einer leichtfertig und verantwortungslos handelnden Führung, im 2.  Weltkrieg von einem geradezu verbrecherisch agierendem Regime, mussten schrecklichen und sinnlosen Befehlen folge leisten.

Viel klarer als die Menschen damals sehen wir heute, dass die Soldaten für unrechtmäßige und menschenverachtende Ziele ihr Leben lassen mussten. Und wir gedenken nicht nur der deutschen Soldaten, sondern auch der Ausländischen, die hier begraben sind. Der Tod macht alle gleich. Um alle haben Mütter, Väter, Ehefrauen, Bräute, Geschwister und Kinder geweint. Dieser Tragödie wollen wir heute gedenken.

Viele von uns, die heute hier stehen, denken, Gott sei dank ist uns ein Krieg erspart geblieben, oder: was geht es uns gut hier in  Brachelen, in Deutschland, in der Westlichen Welt. Die harten Jahre der Kriegs- und Nachkriegsjahre mit den vielen Entbehrungen sind den meisten von uns erspart geblieben. Heute zählt, ob und wie oft wir in Urlaub fahren können, sollten wir uns nicht ein neues Auto kaufen, das alte ist nicht mehr auf dem neusten Stand, die neue Frühjahrskollektion sollte es sein, das Handy mit allem Schnickschnack. Welchen Wohlstand haben wir in Deutschland im Vergleich zur restlichen Welt erreicht! Ein Umfrageergebnis im Radio hatte mich vor einigen Wochen aufhorchen lassen, über 80% der Deutschen würden gerne wieder in Deutschland aufwachsen. Der Krieg findet in anderen Regionen der Welt statt.

Was haben die Menschen aus diesen Kriegen gelernt? Haben die Jahre nach dem 1. + 2. Weltkrieg zu einer positiven Entwicklung der Gesellschaft geführt?

Ich glaube ja. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges mit seinen Millionen Opfern haben zur Gründung der Vereinten Nationen geführt, deren Hauptaufgabe Konfliktpräventation und Konfliktlösung ist. Der Eiserne Vorhang ist gefallen. Die Europäische Union hat die vorher zerstrittenen Europäischen Staaten zusammengeschweißt. Friede, Wohlstand und Freude am Leben wurde durch die Zusammenarbeit auf Europäischer Ebene möglich. Und gerade deshalb gilt es, die Europäische Union zu bewahren und mehr noch – auszubauen. In den letzten Wochen haben Vorgespräche darüber stattgefunden, unter welchen Umständen östliche Länder wie die Türkei, Kroatien, Bosnien, Albanien und Serbien in die Union aufgenommen werden können! Die Frage ist, führt die Aufnahme des Balkans zur Destabilisierung der Union? Die Europäische Union nähert sich den Grenzen Russlands. Was ist der Preis für die Erweiterung der EU und in wieweit sind wir davon betroffen? Müssen wir von einer Finanzkrise betroffenen Ländern wie Griechenland helfen?

Heute bekämpfen unsere Soldaten den Terrorismus in Afghanistan, schützen den Schiffsverkehr am Horn von Afrika und helfen den Frieden im Kosovo zu bewahren. Sinn und Zweck der Auslandseinsätze der Bundeswehr führen zu regen Diskussionen innerhalb der Bevölkerung. Für unsere Politiker ist es nicht leicht, Entscheidungen für oder gegen den Kampfeinsatz der Bundeswehr zu treffen.

Aber hat unsere Epoche, die internationale Verflechtung der Märkte, der weltweite Tourismus nicht auch dazu geführt, dass die Menschheit enger zusammen rückt?

Kann ich als meine Heimat noch Brachelen benennen, Deutschland? Oder muss ich nicht die gesamte Welt als meine Heimat bezeichnen? Bringt eine Wirtschaftkrise nicht das Gleichgewicht der ganzen Welt durcheinander? Schaffen es die Taliban und Terroristen nicht, die ganze Welt in Aufruhr zu versetzen? Verändern  die Abgase der Industrienationen nicht das Klima der ganzen Welt? Und müssen wir nicht globaler denken in unserer Entscheidungsfindung?

Ja, Brachelen, hier bin ich aufgewachsen, im Schoß der Familie. Hier habe ich meine ersten Freunde oder Freundinnen kennengelernt, bin ich zur Grundschule gegangen. Aber meine Verantwortung kann ich heute nicht mehr auf Brachelen beschränken. Im Beruf haben wir weltweite Kontakte, die englische Sprache ist Pflichtfach geworden. Das Internet liefert uns weltweite Informationen auf Knopfdruck.

Und so hat sich zwangsläufig auch das Bild vom Soldaten geändert. Damals zu Zeiten der Weltkriege war ein Offizier ein angesehener Mann, man blickte zu ihm auf. Ein Offizier, das war jemand, die Jugendlichen träumten davon, so eine Laufbahn einzuschlagen. Die Offiziere kamen vielfach aus Adelsfamilien. Es wurde Gehorsam erwartet. Und heute? Wie hat sich das Bild des Soldaten gewandelt. Nicht Gehorsam, sondern Verantwortung wird von unseren Soldaten erwartet. Und der Krieg wird nicht mehr in Deutschland, sondern im Ausland geführt, weit weg von der Heimat. 60-70 Kriege wurden nach Ende des 2. Weltkrieges weltweit geführt und könnten auch durch die UNO nicht verhindert werden. Die meisten unter uns kennen den Krieg aus dem Fernsehen, zwischen Tagesschau und Krimi, nichts besonderes. Thema Irak oder Somalia abgehackt. Er ist weit weg.

Ich hoffe, die Tradition der Gefallenenehrung bleibt erhalten. Wenigstens 1 Stunde im Jahr sollten wir der Toten Soldaten der Kriege gedenken und in der Ansprache uns immer wieder die Schrecken der Kriege von Augen führen. Und uns an die Menschen erinnern, die im Krieg ihr Leben für das Vaterland geopfert haben.

Aber auch, was lernen wir daraus? Ist ein gleichberechtigtes Nebeneinander aller Völker, Rassen und Nationen möglich?  Was können Du und ich dazu beitragen, Frieden auf der Welt zu schaffen und zu erhalten?


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2 Nach §19 der Kleingewerberegelung bin ich berechtigt, keine Mehrwertsteuer auszuweisen.